Was ist Extasy?

Extasy

In unserer heutigen Gesellschaft ist diese Droge unter den Namen Ecstasy / Extasy und XTC bekannt geworden. In der Chemie und der Biologie kennt man die Droge unter dem Fachbegriff MDMA. Adam, Cadillac, E, Essence, Eve, Love, Pille und XTC sind Namen, die in der Drogenszene dafür verwendet werden. Meist werden die Pillen auch nach dem aufgedruckten Motiv benannt, z.B. Smiley, das als Markenzeichen dienen soll. Außerdem haben sie verschieden bunte Farben.

Extasy ist eine chirale chemische Verbindung, die für 3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin steht. Es gehört strukturell zur Gruppe der Amphetamine und ist weltweit eine verbreitete Partydroge. Extasy ist laut Gesetz illegal(BtmG). Insbesondere der Erwerb, der Besitz, die Erzeugung, die Ein- und Ausfuhr, die Überlassung an und Verschaffung für andere (Weitergabe, Verkauf etc.). Dies alles ist gerichtlich strafbar und kann Geld- oder Freiheitsstrafen nach sich ziehen.

Der Name Extasy wird als Synonym für vier ringsubstituierte Amphetamine verwendet:
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MDMA (3,4-Methylen- Dioxy- Methamphetamin)
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MDA (3,4 Methyldioxyamphetamin)
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MDEA (3,4-Methylen- Dioxy- Ethylamphetamin)
  • MBDB (Methyl- Benzo- Dioxol- Butanamin o. N-Methyl-1-2- Butanamin)

Während MDMA die originäre Substanz ist, wurden die anderen Stoffe teils aus Profitgier der Produzenten und teils auf Konsumentenwunsch “hergestellt”. MDA ist chemisch eng mit MDMA verwandt, da es ein Zwischenprodukt bei der MDMA-Synthese ist. Die entaktogene (Glücksgefühl fördernde) Wirkung ist schwächer, die halluzinogene ist dafür umso stärker. MDEA ist eine typische Designerdroge, die seit dem Verbot von MDMA im BtmG als dessen Ersatz auf den Markt ist. MDEA ist preiswerter herzustellen und daher auch sehr weit verbreitet. Die Droge wirkt weniger euphorisierend und nicht so lange (3-4 h). MBDB wirkt ohne die begleitenden halluzinogenen und aufputschenden Effekte und wirkt bis zu 5 Stunden lang. Extasy wird in der Regel in Tabletten-oder Kapselform produziert und wird mit einem Trägermittel vermengt. Auf dem Markt wird es ebenfalls in Pillenform angeboten und pro Stück wird derzeit ein Marktpreis von etwa fünf bis zehn Euro erzielt, die Produktionskosten liegen unterhalb eines Euros.

Die Deutsche Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht hat für 2013 einen leicht erhöhten Marktpreis von durchschnittlich 8,50 Euro ermittelt. Jede Pille ist verschieden, da die Reinheit und Konzentration unter den einzelnen Pillen schwankt. Oft ist nur ein geringe Menge der Pille reines MDMA und der Rest besteht aus chemischen Substanzen, die oft auch sehr gefährlich sein können. Zum Beispiel besteht eine Pille aus 80 Prozent chemischen Substanzen und nur 20 Prozent reinem MDMA. Eine angeblich gute Pille kann in kürzester Zeit schon identische Plagiate auf dem “Markt” haben, mit komplett anderen Wirkstoffen und/oder Konzentrationen. Man weiß nie was genau in der Pille enthalten ist, sodass immer eine Gefahr beim Drogenkonsum besteht. Der Wirkstoff der Pillen ist ein weißes, kristallines, bitter schmeckendes Pulver.

Extasy

Wirkmechanismus der Droge

Extasy

Unsere Steuerung im Gehirn wird durch "Reize" von außen und von dem was wir in unseren Körper hineinbringen beeinflusst. Viele Dinge, die wir essen und trinken, haben auch eine Wirkung auf unser Gehirn und damit auch auf unser Befinden und unsere Leistungsfähigkeit. Drogen wirken dabei besonders intensiv auf die Steuerung in unserem Gehirn. Zwischen zwei Nervenzellen werden "Informationen" übertragen. Da sich beide Zellen nicht direkt berühren entsteht der synaptische Spalt. Dort werden die Informationen mit Hilfe der Botenstoffe (Transmitter) übertragen. Extasy wirkt auf die Neurotransmittersysteme im Gehirn ein. Beim MDMA Konsum spielt der Botenstoff Serotonin, ein Glücksbotenstoff, eine wichtige Rolle. Er ist an Prozessen beteiligt, die den Schlaf, Gefühle und die emotionale Stimmung beeinflussen:

  • Steuerung emotionaler Prozesse
  • Regelung der Körpertemperatur
  • Steuerung der inneren biologischen Uhr
  • Steuerung des Empfindens von Hunger, Durst und Sättigung
  • Auswirkung auf Lernen
  • Auswirkung auf das Gedächtnis

Einige Drogen können Botenstoffe simulieren und dadurch "Rausch-"Wirkungen erzielen, die auch die natürlichen körpereigenen Botenstoffe erreichen könnten. Die Partydroge Extasy gehört auch zu diesen Drogen. Nachdem der Wirkstoff über den Dünndarm aufgenommen wurde, gelangt er über die Schleimhaut in den Blutkreislauf. Ab diesem Zeitpunkt kann sich der Wirkstoff im ganzen Körper ausbreiten. Ein kleiner Teil davon erreicht über den Blutkreislauf das Gehirn, zwei Drittel werden unverändert über die Niere ausgeschieden. Normalerweise wird Serotonin von der Sendezelle (Neurotransmitter) in den synaptischen Spalt ausgeschüttet. Von dort aus gelangt es zur Empfängerzelle, die wiederum den Impuls weitergibt bis sie am endgültigen Ziel angekommen ist. Das Serotonin kehrt dann sofort in die Sendezelle zurück.

Extasy bewirkt eine höhere Ausschüttung von Serotonin, blockiert aber gleichen Wegs den Rückweg zu der Sendezelle. Der Glücksbotenstoff kann nun nicht mehr zurück und bewirkt im synaptischen Spalt eine Flut von Impulsen, die der Konsument als Glücksgefühle wahrnimmt. Eine starke Serotoninausschüttung findet z.B. auch beim Orgasmus statt. Das menschliche Gehirn braucht bis zu vier Wochen um seinen natürlichen Serotonin-Spiegel wieder aufzubauen. MDMA sorgt nicht nur für eine Entleerung der Serotoninspeicher und Hemmung der Wiederaufnahme von Serotonin, sondern hemmt auch die Aktivität des 5-HT-Syntheseenzyms Tryptophanhydroxylase. Dieses Enzym wandelt die Aminosäure L-Tryptophan in die Aminosäure 5-Hydroxytryptophan um.

Dieser Prozess ist essentiell für die Biosynthese von Serotonin. Wird dieser Prozess gehemmt, braucht der Körper eine längere Zeit als gewöhnlich, um die mehr oder weniger entleerten Serotoninspeicher wieder zu füllen. Desweiteren bestätigt sich der Verdacht, dass durch die erhöhte Serotoninausschüttung während des Extasykonsums die entsprechenden Nervenzellen absterben. Schon bei einer geringen Menge Extasy ist eine Abnahme der Nervenzellen zu beobachten. Im Moment ist jedoch noch unklar, ob sich diese Gehirnschäden wieder zurückbilden oder ob sie dauerhaft bleiben. Je mehr Extasy konsumiert wurde, um so höher waren die Schäden und die Wahrscheinlichkeit, dass entstandene Schäden nicht mehr durch gesunde Nervenzellen kompensiert werden können. Bei 37 % der Extasy-Konsumenten wurde ein "amnestisches Syndrom" diagnostiziert. Dabei ist das Kurzzeitgedächtnis so stark gestört, dass von einer Beeinträchtigung der Alltagsbewältigung gesprochen werden kann.

Die Geschichte von Extasy

Extasy

Wenn man das Wort Extasy hört, denkt man gleich an tanzende Menschenmengen, welche sich zu lauter Technomusik bewegen. Viele denken auch, dass Extasy mit dieser Musik zusammen geboren sei. Dies ist aber nicht ganz korrekt. Die Geburtsstunde liegt schon über 100 Jahre zurück, als es Technomusik noch gar nicht gab.

MDMA wurde erstmals im Jahr 1898 synthetisiert. Einige Jahre später, um genau zu sein am 24. 12. 1912, meldete die Darmstäder Firma Merck MDMA beim Patentamt an. Zu diesem Zeitpunkt wusste man noch nicht, was der Grund dafür war. Von verschiedenen Stellen wird behauptet, dass MDMA ursprünglich ein Schlankheitsmittel sein sollte, allerdings ist es fraglich, ob dies richtig ist. Auf jeden Fall konnte Merck mit der Substanz keinen kommerziellen Erfolg verbuchen. Extasy rückte für die nächste Zeit erst einmal aus dem Blickfeld des öffentlichen Interesses.

Aufgetaucht ist MDMA dann erst wieder um 1950 herum. Zur Zeit des "kalten Krieges" hat die US-amerikanische Armee Halluzinogene auf ihren Nutzungswert als Warheitsdrogen untersucht. Unter dem Code Namen EA-1475 (Experimental-Agent 1475) wurden Tierversuche mit MDMA durchgeführt. Weil es sich für die chemische Kriegsführung nicht eignete, verschwand es abermals von der Bildoberfläche.

1965 wurde es durch den kalifornischen Chemiker Alexander Shulgin wiederentdeckt. Shulgin testete Extasy an sich und an einer kleinen Gruppe von Freunden. Als man bei der Firma mitbekam, dass Shulgin Drogen herstellte, wurde er sofort entlassen. In den späten 70er und am Anfang der 80er Jahren, nachdem man den Einsatz von LSD bei psychotherapeutischen Behandlungen verbot, gab es einen Neuaufschwung von MDMA. Es gab einige Psychotherapeuten, welche in ihren Behandlungen Extasy einsetzten. Es half ihren Patienten, offen und ehrlich zu werden und zu Einsichten zu kommen, an die sie sich nachher erinnern konnten. Parallel dazu begann um 1980 die Nutzung von MDMA als Genussmittel zuzunehmen. Dennoch blieb der Freizeitkonsum von Extasy, da es nur wenig bekannt war, auf eine kleine Anzahl KonsumentInnen beschränkt. 1985 unterstellte die DEA (amerikanische Drogenkontrollbehörde; Drug Enforcement Administration) die Substanz MDMA dem amerikanischen Betäubungsmittelgesetz. Diese Massnahme hatte den Protest zahlreicher PsychotherapeutInnen, ArztInnen und ForscherInnen zur Folge. Das Beste aber war, dass seit diesem Zeitpunkt Extasy bei den Privat-KonsumentInnen eine immer höhere Abnahme findet. Es war sozusagen Gratiswerbung für Extasy.

In der Schweiz wurde Extasy am 22. April 1986 verboten. 1987 entwickelte sich auf der Ferieninsel Ibiza eine Rave-Szene (engl. Phantasieren, toben; hier: Szene der Technoparty-BesucherInnen), in der sich Extasy zu LSD und Haschisch gesellte. Britische Touristen führten es dann auch nach England ein, wo grosse Parties im Freien oder in alten, leerstehenden Lagerhäusern schnell in Mode kamen. Es dauerte nicht mehr sehr lange, bis Extasy dann auch in der Raver-Szene der Schweiz ein Begriff war.